Von städtischem Gemüseanbau bis zur künstlerischen Protestaktion.
In einer Zeit, in der städtischer Raum immer knapper und teurer wird, stellt sich die Frage: Wem gehört dieser Raum überhaupt und wer nimmt ihn sich? Urban Gardening, der städtische Gartenbau, bietet eine kreative und gemeinschaftliche Möglichkeit, sich Raum in der Stadt anzueignen. Doch Urban Gardening ist mehr als nur ein Trend – es kann auch ein Ausdruck sozialer und politischer Statements sein. Die City Farm Augarten und das Cabriobeet zeigen, wie Raum in der Stadt gemeinschaftlich genutzt werden kann und welche Herausforderungen dabei entstehen.

Die City Farm Augarten macht vielen Menschen die Vielfalt der Gemüsepflanzen, die Freude am Gärtnern und an den faszinierenden Entstehungsprozessen von Lebensmitteln mitten in der Großstadt durch eigenes Erleben zugänglich. Sie bietet auf über 4.000 Quadratmeter einen Pfad der Gemüsevielfalt, eine mit Solarstrom betriebenen Gartenküche, im Winter den einzigen Frischgemüse-Schaugarten der Stadt und tausende Workshops mit Kindern. Über die Institution Do-It arbeiten mehrmals monatlich Jugendliche mit Behinderung bei der Farm mit und es gibt kostenfreien Eintritt bei Gartenführungen für Kulturpass-Inhaber_innen.
Für gartenaffine Studierende und andere interessierte Personen gibt es die Möglichkeit, ein Praktikum oder Volontariat bei der Cityfarm zu machen. Nähere Infos: www.cityfarm.wien/mitmachen/
Trotz all dieser positiven Aspekte ist eine solche Nutzung des innerstädtischen Raums nicht selbstverständlich. Die 2011 gegründete City Farm ist ein gemeinnütziger Verein, bisher leider ohne öff entliche Basisf i nanzierung und die Kosten für Pacht (an die Republik Österreich, verwaltet durch die Burghauptmannscha› ) und Pfl ege sind hoch. Angelika Palme, Mitgründerin der City Farm, betont, dass solche Initiativen ohne ausreichende fi nanzielle Unterstützung kaum realisierbar sind. Ihr Wunsch ist es, dass gemeinnützigen Institutionen der Raum kostenfrei überlassen wird, da dieser Raum wiederum der Allgemeinheit zugutekommt.
Beim Cabriobeet handelt es sich um eine künstlerische Protestaktion, die Raum in der Stadt auf kreative Weise zurückerobert. Seit 2021 steht ein alter Peugeot 306 Cabrio an verschiedenen Orten Wiens und auf Veranstaltungen – jedoch nicht als gewöhnliches Auto, sondern als fahrbarer Garten, in dem Kräuter wachsen, die zur freien Entnahme stehen. Diese Initiative von Filmemacher Christoph Schwarz entstand aus dem Wunsch, auf die Ungerechtigkeit in der Nutzung städtischen Raums hinzuweisen. In Wien kostet ein Parkplatz im öff entlichen Raum nur etwa 10 Euro pro Monat – ein symbolischer, viel zu niedriger Preis, der klimaschädlichen Autoverkehr fördert. Dagegen fragt das Cabriobeet: Warum sollte es nicht genauso einfach und billig sein, ein Hochbeet aufzustellen, das dem Gemeinwohl dient?
Das Cabriobeet zeigt die Absurdität der aktuellen Verkehrspolitik auf und fordert eine Verkehrswende. Als Begegnungsort im öffentlichen Raum lädt der Parkplatz des Cabriobeets zum Gärtnern, Verweilen und kritischen Austauschen ein.
City Farm. (2024). Wie wir entstanden sind. City Farm. www.cityfarm.wien/geschichte/
Schwarz, C. (2024). Grünspur statt Parkspur. Cabriobeet. www.cabriobeet.net/
Magdalena Schwarz studiert Umwelt- und Bioressourcenmanagement an der BOKU.
Illustrationen © Grit Koalick