Coronavirus in Österreich – wie damit umgehen?

Geschichte und Verlauf der Krankheit.
Das „Coronavirus“ oder der medizinische
Fachausdruck SARS-CoV-2 (Severe Acute Respiratory
Syndrome CoronaVirus-2) ist ein neuartiges
Virus, welches der Virusfamilie Corona entstammt.
Frühere neuartige Erreger, die z.B. die SARSPandemie
2002/2003 oder MERS-CoV (Middle East
Respiratory Syndrome CoronaVirus) 2012 auslösten,
entstammten der gleichen Virusfamilie. Erstmalig
wurde die neuartige Erkrankung COVID-19 (Coronavirus
disease-19), wie sie richtig heißt, im Dezember
2019 in der Millionenstadt Wuhan in China
entdeckt. Laut Virolog_innen entstammt das Virus
höchstwahrscheinlich dem Tierreich, ist vermutlich
von einer Fledermaus, die als Zwischenwirt fungierte,
auf den Menschen übergegangen. Der Erreger
ist während der Übertragung von Tier auf Mensch
mutiert und kann nun auch von Mensch zu Mensch
übertragen werden. Das Virus kann für bis zu 72
Stunden auf einer Oberfläche überleben. Seit dem
ersten Ausbruch sind insgesamt mehr als 160 Länder
davon befallen. Täglich werden neue gesundheitspolitische
Maßnahmen vorgestellt und implementiert,
vor allem in Europa, das zum neuen Epizentrum
der Krankheit geworden ist.

Es sind aber weltweit
COVID-19 Fälle zu verzeichnen. Am 30. Januar 2020
rief die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die
internationale Gesundheitsnotlage aus, am 2. März
stufte die Europäische Union das Krankheitsrisiko
als hoch ein und am 12. März erklärte die WHO den
COVID-19 Ausbruch zur Pandemie. Die ersten Gegenmaßnahmen
in Österreich wurden am 27. Februar
implementiert, als die Anzahl der in Österreich
infizierten Personen tagtäglich zu steigen begann.

„Wir haben nicht nur eine Virus-
Epidemie, sondern auch eine Angst-
Epidemie“.
Kritisch zu betrachten ist die mediale
Berichterstattung über das Coronavirus. Es kursieren
viele Gerüchte, Fake News, schlichtweg falsche
Informationen, die zur Panikmache beitragen.
Anstatt die Bevölkerung durch eine seriöse und
kritische Medienberichterstattung aufzuklären und
zu beruhigen, schaffen einige Medien es, Hysterie zu
generieren. Das passiert zum Beispiel, wenn auf der
Titelseite einer Tageszeitung oder im ersten Fernsehnachrichtenbeitrag
nur die Anzahl der Verstorbenen
und der Erkrankten, aber nicht die der Genesenen
erwähnt wird.
In einer Diskussionssendung hat die derzeitige SPÖ-
Vorsitzende Pamela Rendi-Wagner, selbst ausgebildete
Virologin, richtig gesagt: „Wir haben nicht nur eine
Virus-Epidemie, sondern auch eine Angst-Epidemie“.
Die Hysterie hat nun ihren Höhepunkt erreicht. Wir
sitzen in der Isolation und sind in der Quarantäne.
Es scheint, dass viele Menschen in der Bevölkerung
vor Angst nicht mehr rational denken können. Es
macht absolut keinen Sinn, einzelne Geschäfte leer
zu kaufen. Warenbestand gibt es genug und der Wirtschaftszyklus
funktioniert trotz allen Grenzschließungen.

Vor allem die Nachfrage an Schutzmasken
oder Desinfektionsmitteln ist hoch, sie sind seit
Anfang der Krise schnell ausverkauft. Das ist höchst
problematisch, denn auch nicht mit dem Coronavirus
infizierte Personen benötigen diese medizinischen
Produkte. Ein_e Diabetiker_in, die sich selbst
mehrmals täglich Insulin spritzen muss, benötigt
beispielsweise Desinfektionsmittel, um die Einstichstelle
zu reinigen. Wie Ärzt_innen bereits mehrfach
betont haben, hilft das Tragen von Schutzmasken nur
bereits infizierten Personen dabei, das Virus nicht
an ihr Umfeld weiterzugeben. Man sollte daher mit
dem privaten Kauf zurückhaltend sein, denn am
Dringendsten brauchen diese Produkte medizinisches
Personal und Angestellte in den Spitälern.*


#coronavirus #novirus #jenesuispasunvirus
– there is no place for
racism.
Dank der Globalisierung sind wir vernetzter
denn je und leben auch räumlich gesehen enger
zusammen. Es sollte uns daher nicht verwundern,
dass das globale Zusammenrücken neben seinen
positiven Auswirkungen auf die Menschheit auch
die Verbreitung von Krankheiten wie COVID-19
begünstigt. Die Angst einzelner, infiziert zu werden,
entwickelt sich schnell zu einer richtigen Angst-Epidemie
und zeigt uns so auch die hässliche Seite der
Gesellschaft. Verstärkt wird die Angst durch Fake
News, die verschiedenste Verschwörungstheorien
beleben, etwa dass man durch das bekannte Corona-
Bier an COVID-19 erkrankt oder dass die USA das
Virus als Biowaffe entwickelt haben. Es bedarf einer
kritischen medialen und politischen Aufklärung.
Vor den aktuellen Ausgangsbeschränkungen,
als das Virus den Österreicher_innen noch weit
weg erschien, glaubten viele Menschen, dass alle
asiatisch aussehenden Personen den Virus in sich
tragen.

People of Colour wurden alle in einen Topf
geworfen. Ich selbst habe Erfahrungen dieser Art
gemacht. Im Januar ist mir das erste Mal wegen
Corona so eine irritierende Situation passiert: Eine
ältere Frau zog sich im Aufzug ihren Schal vor den
Mund, als ich einstieg. Die Handlung war offensichtlich,
die Intention eindeutig, und kann nicht anders
als rassistisch bewertet werden, denn neben dem
älteren Ehepaar war ich der einzige im Aufzug. Als
ich ausstieg, tat die Dame ihren Schal wieder weg.
Nach dieser Aktion habe ich mich gefragt, ob das
jetzt die ganze nächste Zeit so weitergehen würde.
Meine Gefühlswelt war aufgewühlt und ich empfand
es sehr verletzend, diesem passiven und doch klar
rassistischen Vorgehen ausgesetzt zu sein.
Als das Virus sich in Europa ausbreitete, wurden
schnell die Italiener_innen als am stärksten Betroffene
zu einer weiteren Zielscheibe.

Es war erstaunlich
zu sehen, wie Menschen in Österreich mit der
Situation umgehen, wenn die Krankheit direkt vor
ihrer Haustür steht. Die gleichen Leute, die immer
gerne Spaghetti, Pizza oder Gelato gegessen haben,
wurden schnell feindselig. Am Tag, als der beschleunigte
Krankheitsverlauf in Italien erstmals in den
Medien bekannt wurde, saß ich in der U-Bahn. Ein
Mann saß mir gegenüber, er telefonierte mit jemandem
meinte: „Is ja ka Wunder, dass des von Italien
kommt, die gonzn Spaghettifresser.“
Während das Sudern über Italiener_innen nicht
unbedingt vergleichbar ist mit dem klar anti-asiatischen
Rassismus, der sich genauso explosionsartig
ausgebreitet hat wie das Virus selbst, sind solche
Anfeindungen und die Suche nach einem Sündenbock
nicht zu verharmlosen. Eines sollte hier klar
gesagt werden: Dieses voreingenommene Verhalten
ist nicht normal und sollte auch nicht normal sein.
Rassismus, welcher Art auch immer, hat keinen Platz
in unserer Gesellschaft.

Was denken eigentlich Studierende
und wie gehen sie mit COVID-19 um?

Diese Krise berührt eine_n umso mehr, wenn man
selbst rassistische Anfeindungen erlebt oder die
Geschichten von anderen erzählt bekommt. Es
ist schlimm anzusehen, wenn Asiat_innen oder
asiatisch aussehende Personen in der Öffentlichkeit
ein Plakat mit sich tragen, auf dem steht: ICH BIN
KEIN VIRUS. Die umgangssprachliche Bezeichnung
„Wuhan-Virus“ oder „China-Virus“, wie sie unter anderem
der amerikanische Präsident Donald Trump
verwendet hat, trägt weiter zum Rassismus bei.
Wie sehen es eigentlich die Studierenden der Ostasienwissenschaften
(Japanologie, Koreanologie und
Sinologie), dass asiatisch aussehende Personen nicht
nur verbal, sondern zunehmend auch körperlich
attackiert werden? Das hat man am Beispiel eines
23-jährigen Studenten aus Singapur, der in London
studiert, gesehen. Er wurde von einigen Briten
körperlich attackiert, die schrien, dass sie kein
COVID-19 in ihrem Land haben wollten. Hier folgen
nun ausgewählte Erlebnisberichte von anonymen
Studienkolleg_innen.

1: „Zu Beginn, als nur von Fällen in Asien berichtet
wurde, wurde mein Mann in Restaurants komisch
angesehen und einige andere Gäste sind von uns
weggerückt. Eine Oma hat ihn mal schockiert angeschaut,
hat sich den Schal vors Gesicht gehalten
und ist geflüchtet. Ich hab auch von einem in Wien
lebenden Thai gehört, der von den anderen Fahrgästen
aus der U-Bahn geworfen wurde.“

2: „Ich wurde schon Ende Jänner in der S-Bahn
schief angeschaut, von einer Frau. Ich hatte keinen
Husten oder Schnupfen. Der Typ vor mir jedoch
schon, er hat sich nicht mal die Hand vor dem Mund
gehalten, als er gehustet hat. Aber die Frau hat
diesen Typen einfach ignoriert und mich die ganze
Zeit angestarrt. Ähnliche Begegnungen sind seitdem
immer wieder vorgekommen, aber Gott sei Dank
keine Gewalt. Meine Schwägerin und mein Vater
wurden schon mehrmals von Teenagern beschimpft
mit ‚China Virus‘ und ‚Geh zurück nach China!‘.“

3: „Meine Mutter und meine Schwester meinten vor
ein paar Wochen, dass Leute sie in der U-Bahn, im
Supermarkt, oder auf der Straße länger anschauen
oder Abstand halten. Meine Mutter hat erzählt, dass
sie einmal einkaufen war und eine Frau, nachdem
sie einen kurzen Blick auf meine Mutter geworfen
hatte, sofort das Weite gesucht hat. Ach ja, und
meine Eltern verlassen sogar selbst nicht häufig das
Haus und treffen sich nicht mit ihren chinesischen
Freund_innen.“

4: „Ich war beim Skifahren und einer vom Skiverleih
ist zu seinem Kollegen gegangen und hat mit Blick
auf mich ganz gekünstelt gehustet. Persönlich wurde
ich noch nicht verarscht, bespuckt, angegriffen etc.,
aber eine Bekannte von mir wurde schon öfters beleidigt.
Sie meinte, dabei das Wort „Corona“ gehört
zu haben. Freund_innen von mir, Thailänder_innen,
hat man im Rituals-Shop ignoriert und von ihnen
Abstand gesucht. Die Verkäuferin soll gesagt haben,
dass Chinesen unerwünscht sind, obwohl sie ja nicht
Mal wusste, ob meine Freund_innen Chines_innen
sind oder nicht. Für viele weiße Leute sind alle asiatisch
aussehenden Personen Chines_innen und mit
dem COVID-19 infiziert.“

5: „Ich arbeite in meinem Nebenjob am Flughafen
und bin deshalb stark mit den gesundheitspolitischen
Maßnahmen und den damit einhergehenden
Einreisebestimmungen konfrontiert. Selbstverständlich
verhalte ich mich Passagieren gegenüber
deswegen nicht anders. Ich habe allerdings von Kolleg_
innen mitbekommen, dass diese um Asiat_innen
herum die Luft angehalten haben oder chinesische
Reisepässe nicht anfassen wollten.“

6: „Ein Mann hat vor Kurzem der Chinesischlehrerin
meiner Tochter eine Weinflasche nachgeworfen – er
hat sie zum Glück nicht getroffen – und gemeint, sie
solle dahin gehen wo sie hergekommen sei.“
Wollen wir tatsächlich in so einer
Gesellschaft leben? Ich hoffe, mit diesem
Artikel einige Leser_innen zum Überlegen gebracht
zu haben und ihnen vielleicht die Augen dafür
geöffnet zu haben, wie sich People of Colour – asiatisch
aussehende Personen oder Asiat_innen – in
dieser Krise fühlen. Eines sollte klar sein, wir sitzen
alle gemeinsam im selben Boot. Wir sind alle #TeamÖsterreich.

* Dieser Artikel wurde Anfang März 2020 verfasst.
Wir empfehlen natürlich die Einhaltung der derzeitigen
Vorgaben der Regierung (4. April 2020).


Autor_innen: