Autor: Are

  • Zwischen Protest und Paprika

    Als Margit so alt war wie ich, erlebte Ungarn die Blütezeit des Realsozia- lismus. Was die größte Veränderung in ihrem Leben seitdem war? „Das Reisen. Das war damals nicht möglich. Und auch die Erfahrungen, die man dadurch sammelt.“ Jetzt ist Margit 78 Jahre alt. Ich frage sie, was sie von Victor Orbán hält. Sie schüttelt…

  • Spanien: Balkonien in der Bredouille

    Mit erschreckender Virulenz breitet sich in Spanien ein altbekanntes Gespenst der Vergangenheit aus. Auf dem gut-gedüngten Nährboden der schmerzlich überwundenen Wirtschaftskrise, einer versäumten Vergangenheitsbewältigung des Bürger_innenkriegs (1936–1939) sowie der bis 1977 währenden faschistischen Franco-Diktatur erstarkt antagonis- tisch zum katalanischen Separatismus der spanische Nationalismus. Das „Spanien der Balkone“, an das der Chef der oppositionellen Rechtskonservativen Pablo…

  • Union, Eurasien, Abendland

    Es war Mitte Februar dieses Jahres, als der ungarische Premier Viktor Orban die Europäische Union in seiner jährlichen Rede zur Lage der Nation massiv angriff. Orban, der von Rechten in ganz Europa als Vorreiter einer autoritären Wende neidisch beäugt wird, sprach von der anstehenden EU-Wahl als „letzte Schlacht“ gegen jene „Hochburg der Internationalen“1 in Brüssel,…

  • Europa kann mehr als nur Wirtschaftsunion!

    Irgendwie, so ist man dieser Tage geneigt zu denken, läuft‘s nichts so ganz rund. Friede und Freiheit, Wohlstand und ein gutes Leben für alle; mit diesen Visionen ist das Staatengebilde namens Europäische Union einst an den Start gegangen. Nun ja, „wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen“, soll Franz Vranitzky einmal gesagt haben. Die EU…

  • Aus mitgemeint wird nicht gemeint

    Europa war, entgegen des Eindrucks, den die pro-europäische Euphorie gerne hinterlässt, nie eine Insel der Seligen. Zumindest nicht für alle. Mittlerweile bröckelt auch das innereuropäische Image. Einerseits wird die restriktive Grenzpolitik der Europäischen Union als „Festung Europa“ kritisiert, andererseits werden ihre Institutionen von jenen, die diese Festung seit Jahren mit aufbauen, als Kontrollinstanzen infrage gestellt.…

  • Zweimal hingehört

    Žen Suncani ljudi Marie Luise: Die kroatische Band „ŽEN“ hat im Jänner ein weiteres Album unter dem queerfeministischen Wiener Label Unrecords herausgebracht. Der Titel „Sunčani ljudi„ bedeutet übersetzt so etwas wie „sonnige Leute“. Die vielreisende Band hat in einigen großen Städten Europas einen Stamm an Fans und Bewunder_innen gefunden. Sie definieren die eigene Musik als…

  • Die eigenen Verbrechen ausstellen, Ausstellungs-Rezension

    Die Sonderausstellung „Die Wiener Medizinische Fakultät 1938 bis 1945“ im Josephinum, der Sammlung der Medizinischen Universität Wien direkt hinter dem Campus, sollte man sich nicht entgehen lassen. In nur eineinhalb Räumen schaffen es die Kuratoren Herwig Czech und Niko Wahl in aller Kürze – aber dennoch repräsentativ – auf unterschiedlichste Bereiche der Medizin vor, während…

  • Von Blumen, Bienen und Gaspedalen, Buch-Rezension

    Sex ist Kopfsache, so viel ist klar. Doch was genau sich im Gehirn abspielt, wenn wir mal (nicht) in Stimmung sind, steht in dem Buch „Come As You Are“ (auf Deutsch „Komm, wie du willst“) von Emily Nagoski. Die Sexualpädagogin will mit Missverständnissen und Mythen endgültig aufräumen und vor allem Frauen dabei helfen, ein entspannteres…

  • 7 Days in Entebbe, Film-Rezension

    José Padilhas Politthriller „7 Days in Entebbe“ hielt im Mai Einzug in die europäischen Kinos. Der „Narcos“-Regisseur bemüht sich um eine charmante, wenn auch teils prätentiöse 1970er-Jahre Ästhetik. Leider ist seine Erzählung der 1976 von deutschen und palästinensischen Terrorist_innen ausgeführten Flugzeugentführung durchwoben von problematischen politischen Botschaften: Während Padilha viel Empathie für die antisemitischen Entführer_ innen…

  • Bekennt sich die Universität zur  Mitverantwortung?

    progress: Begeben wir un in die Zeit direkt nach dem Krieg, ins Jahr 1946. Was war der Zustand an den Universitäten? Herbert Posch: Charakteristisch für diese Zeit war der massive Anstieg von Student_innen, da kriegsbedingt nun mehreres Maturajahrgänge gleichzeitig an die Universität kamen. Außerdem war der Großteil der Universitätsinfrastruktur (Gebäude, Labors, Hörsäle, Bibliotheken, …) stark beschädigt, wobei die…

  • Untenrum und Obenrum

    Ich mag Mann-Frau-Witze nicht besonders. Auf meiner persönlichen Witze- Skala sind ganz unten die Furzwitze, die Dickenwitze, die Mann-Frau-Witze und dann noch die Wortspiele. Deswegen gehe ich auch nicht gerne zum Frisör. Die heißen immer Salon Er-Ich, Haarscharf, Haarmonie, Chaarisma, Kamm In, Hauptsache, Stufenschnitt (wenn sie an einer Treppe liegen), Kaiserschnitt (wenn sie in einer…

  • Gedenken im Zeichen des Zwiespalts

    Wir schreiben den Nachmittag des 1. November 1948. Am Wiener Zentralfriedhof versammeln sich tausende Antifaschist_innen. Unter ihnen befinden sich viele ehemalige KZ-Insass_innen, Widerstandskämpfer_innen und politisch Verfolgte. Der KZ-Verband hatte dazu aufgerufen, um im Rahmen der Enthüllung des von ihm initiierten Gedenkkreuzes an die „hingerichteten Kämpfer und ihre Angehörigen“ zu erinnern. Nur ein paar Meter von…

  • Vom Dummstellen und Ignorieren – Geschichten der österreichischen Gedenkpolitik

    Am 5. Mai 1945 befreiten die alliierten Truppen das Hauptlager des Konzentrationslagers Mauthausen. Davor litten über 190.000 Gefangene aus ganz Europa und Afrika dort unter der Schreckensherrschaft der Nazi-Aufsehenden. Diese Tatsache ist den meisten Österreicher_innen bewusst. Doch neben dem Hauptlager in Oberösterreich gab es noch über 40 Neben- oder Außenlager. Diese wurden teilweise früher befreit…

  • Jubel ohne Ende – Die Nazifizierung der Uni Innsbruck

    „Mit Jubel ohne Ende“ soll Österreich den „Anschluss“ an das nationalsozialistische „deutsche Reich“ am 12. März 1938 gefeiert haben. So schreibt es zumindest Raimund Klebelsberg in seiner Grußbotschaft an den Rektor der Albert-Ludwigs- Universität Freiburg in Deutschland. Klebelsberg unterrichtete zur Zeit des Anschlusses Geologie an der Universität Innsbruck und war somit Lehrender an einer der…

  • Aus für ASINOE – Keine Chancen für Langzeitarbeitslose?

    Nein, große Hoffnungen macht sich Dr. Alexandra Krenn-Leeb nicht mehr. „Wir sind vielleicht das erste, aber bestimmt nicht das letzte Opfer“, sagt sie und man sieht ihr die Resignation dabei an. Sie spricht über die Zukunft des Vereines „Archäologisch- Soziale Initiative Niederösterreich“ (ASINOE), dessen Mitbegründerin und Obfrau sie ist. Ab 30. September 2018 wird dieser…